Das Senioren-Service-Zentrum Albertinum unter der Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Günzburg und Neu-Ulm e.V. feierte im Jahr 2008 sein zehnjähriges Bestehen.
Anlässlich dieses Geburtstages, dachten sich der Sozialarbeiter Georg Hieber, der Ansprechpartner für die Bewohner der Seniorenwohnanlage Albertinum ist, und Petra Daumann, die das Café Sonnenblume im Haus betreute, müsste man eine besondere Aktion in die Tat umsetzen. Ideen waren gefragt. Nahe liegend war, etwas auf die Beine zu stellen, das mit Fotografie zu tun hat, denn in seiner Freizeit ist Georg Hieber als
freischaffender Fotokünstler kreativ. „Kennst Du den Film Kalender-Girls?“ war die Frage, die Petra Daumann im Frühjahr Georg Hieber stellte. Georg Hieber meinte, er kenne zwar den Filmtitel und um was es geht, den Film aber, habe er noch nicht gesehen. Die Grundidee jedoch gefiel ihm so gut, dass dies der Startschuss zum Projekt „Albertinum Girls“ war! „Wenn wir einen Kalender mit Damen aus der Seniorenwohnanlage Albertinum hinkriegen, die auch noch etwas Haut zeigen, dann sind wir gut!“ sagte Georg Hieber zu Petra Daumann.
Das Team: Erika Kühner, Georg Hieber, Petra Daumann
Das Endprodukt sollte ein Kunstkalender sein, am besten im DIN A3-Format, und die darin enthaltenen Bilder sollte es auch als Fotoausstellung geben, die dann Interessierte erst einmal im Albertinum betrachten können
und die zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht sogar auf Wanderschaft geht. Dies alles müsste bis zum 11. Juli 2008 fertig sein, denn für diesen Freitag war das große Jubiläumssommerfest im Albertinum geplant. Die ganze Aktion sollte in der Freizeit auf ehrenamtlicher Basis stattfinden, schon allein aus dem Grund, dass so ein
Unterfangen während der Arbeitszeit gar nicht realisierbar ist. Ziel war es also, elf Damen zu finden, welche die einzelnen Monate des Kalenders zieren, schon im Hinterkopf, den Monat Dezember als Gruppenbild gestalten
zu wollen.
Bei der Motivgestaltung war angedacht, dass jede Seniorin in eine Art Dekoration postiert wird, die mit ihrem Leben zu tun hat oder mit der sie sich identifizieren kann. Der Hintergrund der Motive sollte jeweils neutral gehalten sein, damit die Models und Utensilien besser zur Wirkung kommen. Die Bilder selbst müssten in einen Sepiaton konvertiert werden, wobei einzelne Accessoires in Farbe hervorgehoben sein sollten. Als „Fotostudio“ fassten Georg Hieber und Petra Daumann den Veranstaltungsraum im Albertinum ins Auge.
Die Suche nach den Models in der Seniorenwohnanlage Albertinum begann. Nach einem Blick auf die Bewohnerliste war relativ schnell klar, welche Frauen überhaupt in Frage kommen könnten. Viele der älteren
Damen im Haus sind entweder gesundheitlich sehr angeschlagen oder mit ihren Enkeln so ausgelastet, dass Petra Daumann und Georg Hieber sehr gezielt auf die Frauen zugehen konnten.
Die „Auserwählten“ wurden schriftlich zu einem Vorgespräch mit Umtrunk am 25. März 2008 ins Café Sonnenblume im Albertinum eingeladen. Nachdem Georg Hieber den potentiellen Models die Idee und das Vorhaben vorgestellt hatte, war es erst einmal still. „Das war`s dann wohl“ dachte Georg Hieber bei sich. Da brach Marie Schild das Schweigen und sagte: „Das finde ich gut, da mache ich mit!“ Und letztendlich waren
dadurch auch die anderen Damen mit im Boot, zwar mit anfänglichen Bedenken, aber immerhin: es konnten konkrete Termine für das Fotoshooting gemacht werden.
Von nun an hieß es: nach Requisiten für die Motivgestaltung Ausschau halten. Diesen Part übernahm hauptsächlich Petra Daumann. Sämtliche Freunde und Bekannte wurden nach diversen Utensilien gefragt, die für die Motivgestaltung in Frage kommen könnten. Aber auch der Landwirt, der wöchentlich ins Albertinum kommt, um Eier zu liefern, wurde u.a. nach Strohballen angefragt.
Der Herd für das März-Bild oder die Schubkarre auf dem April-Bild kamen z.B. über Mitarbeiter der NUWOG (Wohnungsgesellschaft der Stadt Neu-Ulm), die regelmäßig im Haus sind, um wohnungstechnische Arbeiten zu erledigen.
Schwierig war es, das Outfit für das Gruppenbild des Monats Dezember zusammen zu bekommen. Antike weiße Unterwäsche mit Spitzen. Theater wurden angefragt, genauso wie Faschingsgarden, im Internet gestöbert uvm. Das Ergebnis war einfach zu teuer und somit in der Form nicht realisierbar.
Petra Daumann machte wiederholt den Freundes- und Bekanntenkreis mobil und brachte es tatsächlich fertig, für die elf Damen passende Unterwäsche zum Nulltarif zu organisieren. Sogar ein Unterrock eines
Hochzeitkleides wurde beigesteuert und da Not erfinderisch macht, musste schließlich auch ein
Spitzenbettbezug herhalten. Insgesamt gesehen waren also die Nikolausmützen, die die Freie Familieninitiative Vorfeld (FFIV) zur Verfügung stellte oder die Stühle, die vom Neu-Ulmer Jugendhaus im Vorfeld beigesteuert wurden, noch am Einfachsten zu bekommen.